Die Toranlage der Wartburg

Conny Jäckel, Mitarbeiterin im Museumshop, stellt ihr Lieblingsobjekt des Monats September vor: „Wie schon seit Jahrhunderten endet ein Tag auf der Wartburg, wenn das schwere, hölzerne Tor zur Zugbrücke geschlossen wird. Hat man Glück und darf vielleicht einmal durch die kleine Pforte, das Nadelöhr, schlüpfen, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, welche berühmten Persönlichkeiten schon auf diese Weise Einlass in Burg erlangt haben.“


Eine der ersten prominenten Persönlichkeiten, die die Wartburg durch das äußere Tor betraten, könnte Martin Luther gewesen sein, der am 4. Mai 1521 um Mitternacht in aller Heimlichkeit auf die Burg gebracht wurde. Die Datierung des Holzes spricht jedenfalls dafür, denn sie belegt, dass das Nordtor um 1500 in das mittelalterliche Torhaus eingebaut wurde.    Ebenfalls um 1500 sind übrigens auch die beiden anderen Tore in der ersten Torhalle entstanden, die wahrscheinlich kaum ein Besucher wahrnimmt. Gleich nach dem nördlichen folgt das mittlere Tor, das aus zwei Flügeln besteht, einige Meter weiter hinten schließt das südliche Tor mit einem Flügel und Schlupfpforte die Torhalle ab. Dass ein Eindringling in die historische Wartburg also drei mindestens Tore zu überwinden hatte, bevor er überhaupt einen Fuß in den ersten Burghof setzen konnte, ist schon ein eindrucksvoller Beweis für die Wehrhaftigkeit dieser Burganlage. Nicht zu vergessen, dass um 1550 ein Fallgatter die Burg zusätzlich verriegelte und es außerdem eine funktionierende Zugbrücke gab.

Vom Fallgatter sind heute keine Spuren mehr zu finden. Die Zugbrücke wurde im 19. Jahrhundert erstmals vollständig erneuert, später war sie jahrzehntelang nicht funktionstüchtig. Erst seit der umfangreichen Restaurierung 2013 kann sie wie in alten Zeiten heraufgezogen werden. Wurde schon im 19. Jahrhundert berichtet, dass es ein schwieriges Unterfangen war, so ist es auch heute Sache von Geschick und Muskelkraft mehrerer Männer, damit sich die 4,1 Tonnen (inklusive 1,2 Tonnen Gegengewicht) nach oben bewegen. Immerhin ist die Wartburg damit eine wenigen Burgen mit funktionierender Zugbrücke in Deutschland.

Die Tore der ersten Torhalle wurden 2011 restauriert. Das nördliche Tor mit einem Gewicht von circa 1,5 Tonnen wurde mit einem extra gebauten Stahlwagen in die Restaurierungswerkstatt transportiert, die an der Südmauer der Dirnitz eingerichtet worden ist. Während das äußere Tor in den Sommermonaten dort gründlich bearbeitet wurde, kam das sonst nicht mehr benutzte dritte Tor zum Einsatz, damit die Wartburg auch in dieser Zeit gut gesichert war.

Erst seit 1866 gibt es übrigens die zweite Torhalle zwischen dem ersten und zweiten Burghof, die ebenfalls durch zwei Tore verschlossen werden kann. Entworfen hat sie der Wartburgarchitekt Hugo von Ritgen, der natürlich auch die burgentypischen kleinen Pforten in die großen Torflügel einbauen ließ. Anders als bei den alten Toren, wo die als Nadelöhre oder Katzenlöcher bezeichneten Türchen zur Sicherheit recht hoch über dem Boden angebracht waren, sind die aus dem 19. Jahrhundert bequem zu durchschreiten.

Wer miterleben möchte, wie die Zugbrücke der Wartburg nach oben gezogen wird, hat am 20. September 2019 dazu Gelegenheit. Der Weltkindertag, der ab 14:00 Uhr mit einem abwechslungsreichen Programm für die ganze Familie gefeiert wird, endet um 18:00 Uhr mit der Schließung der Zugbrücke.

Das nördliche Tor mit der davor liegenden Zugbrücke ist von außen jederzeit zu besichtigen. Die gesamte Toranlage zum ersten Burghof ist zu den Öffnungszeiten der Wartburg zu sehen.



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