Wartburg - Cranach - Foto: Wartburg-Stiftung

Lucas Cranach d.Ä. Die Gemälde in der Kunstsammlung der Wartburg

Die Wartburg-Stiftung ist im Besitz von wertvollen Gemälden des Malers Lucas Cranach d.Ä.

Diesen Schatz verdankt sie einem Urahn der erfolgreichen Künstlerfamilie, der seit dem Jahre 1894 die Stelle als Burg­haupt­mann auf der Wartburg innehatte.

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Hans Lucas von Cranach (1855-1929)

Hans Lucas von Cranach (1855-1929) hatte durch Protektion des Großherzogs Carl Alexander dieses Amt übernommen und stellte sich als würdiger, engagierter und zuverlässiger Nachfolger der Arnswald-Ära heraus. Im Jahre 1926 schloß Hans Lucas von Cranach mit der Wartburg-Stiftung einen Erbvertrag, wonach der Wartburg eine große Anzahl von Kunstwerken aus seinem Besitz zufiel, darunter Originalbilder seines berühmten Vorfahren; für zahlreiche Bilder erhielt die Stiftung das Vorkaufsrecht. Mit seinem Vermächtnis sicherte der Oberburghauptmann den Verbleib unschätzbarer Kunstwerke auf der Burg.


Ehebildnisse von Martin und Katharina Luther

Lucas Cranach d. Ä., Werkstatt, um 1526, Öl auf Holz

Von dem Porträtpaar Martin Luthers und der Katharina von Bora existieren mehrere ähnliche Exemplare, von denen das in der Kunstsammlung der Wartburg präsentierte das kleinste ist. Mit der Verbreitung der Porträts des Ehepaares nach der Trauung 1525 verfolgte man propagandistische Zwecke: der Mönch war aus dem Kloster ausgetreten und hatte – noch provokanter ging es kaum – im Bauernkriegsjahr eine ehemalige Nonne geheiratet.

Junge Mutter mit Kind - sog. „Buße des heiligen Johannes Chrysostomos“

Lucas Cranach d. Ä., 1525, Mischtechnik auf Rotbuchenholz, übertragen auf Leinwand und Sperrholz

Obwohl die Bildkomposition direkt an die Mariendarstellung mit dem Jesusknaben anschließt - eine junge Mutter, die ihr Neugeborenes auf einem Windeltuch gebettet hält - ist eine Dame der Hofgesellschaft in der reichen Tracht des 16. Jahrhunderts zu sehen. Hohe Bäume und eine Burg auf steilem Fels bilden den Hintergrund. Nur das geübte Auge entdeckt eine mythologische Anspielung: Im Buschwerk unterhalb der Burg hockt der heilige Johannes Chrysostomos (Goldmund, um 354-407). Als Kirchenvater der Ostkirche, vielgerühmter Prediger und Patriarch von Konstantinopel betrieb dieser sozialreformerische Programme, scheiterte jedoch am Widerstand der Gegner. Die Überlieferung der altchristlichen Lehre von der Eucharistie geht auf ihn zurück. Im ausgehenden Mittelalter entstand die wohl antiklerikale Legende vom Einsiedler in der Wüste. Eine Königstochter soll sich in die Höhle des Heiligen verirrt haben und darauf Mutter eines Kindes geworden sein. Für dieses Vergehen, nach dem ihn kein späterer Papst kanonisiert hätte, sollte Chrysostomos das schmähliche Gelübde erfüllen, unbekleidet und auf allen Vieren kriechend dem Ende seiner Tage zu harren. Cranach hatte das Thema in Anlehnung an Dürers Blatt bereits 1509 in einem Kupferstich aufgegriffen.

Hans und Margarete Luther

Lucas Cranach d. Ä., 1527, Mischtechnik auf Rotbuchenholz

Die Porträts der Eltern Luthers entstanden wahrscheinlich während eines Besuches in Wittenberg. Charakterzüge, wie Strenge, Unduldsamkeit und Willensstärke, die in den Bildern der Eltern zum Ausdruck kommen, findet man in der Persönlichkeit Luthers wieder.

Herzog Georg der Bärtige (1471- 1539)

Lucas Cranach d. Ä., Werkstatt, zwischen 1534 u. 1539, Öl auf Holz

Georg regierte das albertinische Sachsen seit 1500 bis zu seinem Tod. Er gilt als einer der erbittertsten Gegner Luthers, der ihn "das Schwein von Dresden" nannte. Allerdings ermöglichte er einen humanistischen Studienbetrieb in Leipzig und stand in regem Briefverkehr mit Erasmus von Rotterdam.

Madonna mit der Weintraube

Lucas Cranach d. Ä., 1537, Öl auf Holz

Marienbilder wurden von den Kurfürsten häufig als Geschenk für Verwandte bestellt. Selbst Martin Luther besaß ein von Lucas Cranach gemaltes Bild mit dem im Arm der Madonna schlafenden Jesuskind, das er gern betrachtete. Diese Darstellung zeugt von der innigen Beziehung der Mutter Maria zu ihrem Kind, das ihr eine Weinbeere zum Munde führt. Zwei Engel füllen den oberen Bildrand und halten ein goldgesäumtes Tuch.

Kaiser Karl V. (1500-1558)

Lucas Cranach d. Ä., um 1550, Öl auf Eichenholz

Mit 19 Jahren war Karl zum Kaiser gewählt worden. Am streng katholischen spanischen Königshof aufgewachsen, entwickelte er sich zu einem entschiedenen Gegner der Reformation. Am 24. April 1547 siegte er bei Mühlberg an der Elbe gegen den protestantischen Schmalkaldischen Bund. Nachdem Wittenberg kapituliert hatte, betrat Karl V. die Stadt.

Das Porträt des Kaisers schuf Cranach vermutlich, während er seinen gefangenen Landesherrn Kurfürst Johann Friedrich zwischen von 1550 bis 1552 nach Augsburg und Innsbruck begleitete.