„Wer weiß, was für ein Geselle der junge Frühling ist“ – Abschied des Winters und Einzug des Frühlings auf der Wartburg
Nach dem Objekt des Monats November 2025, das die herbstliche Wartburg in Bildern von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Fokus nahm, ist es nun im Monat des Eisenacher Sommergewinns Zeit, auch auf der Wartburg dem Winter Ade zu sagen und den Frühling einziehen zu lassen. Die atmosphärischen Bilder steuerten wieder die Beschäftigten der Wartburg bei.
Der mit Schnee und Eis so gar nicht sparsame Winter und auch die ungewöhnlich warmen und sonnigen Frühlingstage im Februar haben auf der Burg und in der umgebenden Landschaft bezaubernde Stimmungen und Bilder geschaffen, die viele Kolleginnen und Kollegen auf ihrem Arbeitsweg oder aus ihrem Bürofenster festgehalten haben. Wenn wir erneut unsere Vorgänger und ständigen Burgbewohner, die Kommandanten Bernhard von Arnswald (tätig von 1841 bis 1877) und Hans Lucas von Cranach (tätig von 1894 bis 1929) zu Wort kommen lassen, klingen ihre Worte fast wie poetisch formulierte Bildunterschriften zu den hier vorgestellten Bildern:
Cranach schreibt etwa am 13. Januar 1895: „Die Burg prangt immer noch in ihrem jungfräulichen, weißen Schnee-Kleide, und Sonne und Mond wetteifern, sie in ihrer Pracht der Welt zu zeigen. Es ist schwer zu entscheiden, ob sie bei Tage oder bei Nacht schöner ist – aber jedenfalls ist sie jetzt bezaubernd schön.“
Mitte Februar des folgenden Jahres 1896 verkündet der Burghauptmann die Rückkehr des Winters: „Seit gestern bemüht sich der Winter nochmals, seine Herrschaft zu behaupten. Stunden und Stunden fällt dicker, großflockiger Schnee ganz langsam und senkrecht vom Himmel herab. Alle Baumäste sind dicht bedeckt mir dieser weißen, weichen Masse, ebenso die Felder; noch hängt viel Schnee am Himmel, der Horizont ist grau, es ist windstill, von Eisenach ist nichts zu sehen. So komme ich mir noch abgeschlossener vor, und die liebe Burg erscheint mir noch heimlicher.“
Am 28. Februar 1897 ereignete sich dann das, was wir alle auf der Wartburg in diesen Tagen auch erleben können: „Gestern wurde es windstill, und heute haben wir den schönsten Frühlingstag und warmen Frühlingssonnenschein, welcher die kleinen Palmen-Kätzchen an den Sträuchern zum schnellen Sprießen bringt.“
„Wer weiß, was für ein Geselle der junge Frühling ist“, fragte sich Cranach zu Recht, „manchmal hört man ihn schon, in der Mittagsstunde schmeichelt er sich in die Gunst der Leute durch seine Wärme; aber nachher kommen seine April-Scherze, und die sind gar nicht angenehm.“
So hatte auch sein Amtskollege Arnswald 40 Jahre früher schon Ende Februar „seit Tagen das schönste Frühlingswetter“ erlebt, dem Anfang März nach „heftigem Regen ein Märzschnee“ folgte. Kalte Ostluft wehte, und wie ein „lang verhaltenes Echo des Winters“ legte die zurückgekehrte Winterkälte sogar die Bauarbeiten auf der Burg lahm. Die Maurerarbeiten am Bergfried mussten eingestellt werden, und der Kommandant vermutete, „ohne diese Witterung wäre der Turmbau schon so hoch, dass er nicht mehr von meinem Zimmer zu sehen bliebe.“
Groß war daher die Freude, als sich doch endlich der Frühling einstellte. Am 16. März 1857 hielt Bernhard von Arnswald fest: „Herrlicher Morgen. Der Vortrab des Frühlings nahet. Noch hörte ich keine Amseln auf der Burg, die sonst schon im Februar hier singen und durch das erste Frühlingslied erfreuen. Ein Fink hat dies Jahr den Rang ihnen abgelaufen. […] Die Tauben flogen eben jubelnd aus u. 3 mal um die Burg in einem Flug. Welche Wonne muss das sein!“
Dem was Hans Lucas von Cranach im Frühling 1897 notierte, können wir angesichts dessen, was wir manchmal sehen und im Foto festhalten dürfen, nur zustimmen: „Nicht minder schön wie vom Drachenstein und der Hohen Sonne aus ist der Blick aus dem Kommandantengarten oder von der Zinne hinter dem Pulverturm über die wogenden Berge.“
Wer das Frühlingserwachen auf der und um die Wartburg erleben und in Fotografien einfangen möchte, kann das aus der Ferne zu jeder Tageszeit tun. Bis zum Saisonstart am 1. April 2026 sind die Burghöfe von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Abbildungsunterschriften und -nachweise:
Abb. 1: Blick auf die Ostseite der Wartburg im Schnee, Foto: Manuela Krüger
Abb. 2: Der Steinweg mit dem Schilderhäuschen der Wartburg, Foto: Manuela Krüger
Abb. 3: Reifbedecktes Kapitell am Palas der Wartburg, Foto: Michael Jacobs
Abb. 4: Der Löwe auf dem Giebel des Palas der Wartburg im Winter, Foto: Michael Jacobs
Abb. 5: Blick von der Neuen Kemenate zur Vogtei der Wartburg, Foto: Michael Jacobs
Abb. 6: Der verschneite zweite Burghof der Wartburg nach Süden, Foto: Rainer Salzmann
Abb. 7: Blick von der schneebedeckten Schanze der Wartburg nach Norden, Foto: Rainer Salzmann
Abb. 8: Gadem und Palas der Wartburg im ersten Frühlingslicht, Foto: Dominique Schmidt
Abb. 9: Der Südturm der Wartburg bei Sonnenuntergang, Foto: Ulrich Baumhauer
Abb. 10: Die Wartburg von Norden an einem grauen Spätwintertag, Foto: Dorothee Menke
Abb. 11: Blick auf die Schanze der Wartburg bei Sonnenaufgang, Foto: Ulrich Baumhauer
Abb. 12: Der zweite Burghof der Wartburg nach Süden in morgendlicher Stimmung, Foto: Dorothee Menke
Abb. 13: Der erste Burghof der Wartburg nach Norden mit Wartburgtauben, Foto: Dominique Schmidt
Abb. 14: Auffliegende Wartburgtauben im ersten Burghof der Wartburg, Foto: Rainer Salzmann
Abb. 15: Blick vom Südturm der Wartburg auf Eisenach und das Burschenschaftsdenkmal, Foto: Angela Porsche
Abb. 16: Blick auf das Nebelmeer im Osten der Wartburg, Foto: Ulrich Baumhauer
Abb. 17 Blick auf das Nebelmeer im Westen der Wartburg, Foto: Manuela Krüger