Der Degen Bernhards von Sachsen-Weimar und das Schwert Gustav Adolfs von Schweden
Daniel Miksch, wissenschaftlicher Mitarbeiter auf der Wartburg, stellt sein Lieblingsobjekt des Monats Juni 2026 vor: „In der Kunstsammlung der Wartburg befinden sich ein Degen und ein Schwert aus dem ehemaligen Besitz zweier berühmter Persönlichkeiten. Die Bedeutung und Geschichte hinter beiden reicht weit über lokale Grenzen hinaus und führte zu einer vielgestaltigen Verehrung, auch auf der Wartburg.“
Die beiden Waffen im Depot gehörten wohl einst zwei hochrangigen Feldherrn aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges: König Gustav II. Adolf von Schweden (1594–1632) und Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar (1604–1639).
Auf den ersten Blick wirken sie eher schlicht und gewöhnlich: Das Gustav Adolf zugeschriebene, 101 cm lange, etwa 1,3 kg schwere Hieb- oder Reiterschwert ist eine deutsche Arbeit des ersten Viertels des 17. Jahrhunderts (Abb. 1); eine Ätzmalerei am oberen Teil der Klinge ist fast gänzlich verwischt. Der Degen Bernhards ist 112 cm lang, wiegt etwa 0,7 kg und ist mit seiner spitzen, zweischneidigen Klinge eine typische Stichwaffe, die Anfang des 17. Jahrhunderts vom Solinger Klingenschmied Clemens Stam gefertigt wurde (Abb. 2). Erst die Spuren ehemaliger Vergoldung und die Ätzmalerei mit den Porträts von Gustav Adolf und Bernhard weisen den aufmerksamen Betrachter des Degens auf das prominente Umfeld hin, in dem diese Waffe verwendet wurde.
Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), der als Religionskrieg begann und in den zahlreiche Mächte Europas verwickelt waren, wurde vor allem auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausgetragen. Maßgeblich beteiligt waren die katholische Liga mit dem Habsburger-Kaiser und die protestantische Union, die seit 1630 von Gustav Adolf von Schweden und seinen Truppen unterstützt wurde. In die Kampfhandlungen dieses blutigen Krieges, der weite Teile des heutigen Deutschlands verwüsten sollte, griff Bernhard von Sachsen-Weimar 1623 auf protestantischer Seite ein.
Der 1604 in Weimar geborene Bernhard war der elfte Sohn des Herzogs Johann von Sachsen-Weimar und seiner Frau Dorothea Maria von Anhalt (Abb. 3). Aufgrund seiner vielen älteren Brüder waren seine Aussichten auf Beteiligung an der Herrschaft sehr gering und für Bernhard hatten, wie für viele jüngere Söhne einer Adelsfamilie, nur zwei Karrierewege offen gestanden: das Militär oder der geistliche Stand. Bernhard wählte ersteres: Er diente in verschiedenen protestantischen Heeren, ehe er 1631 in die Dienste des schwedischen Königs Gustav II. Adolf trat. Er kämpfte erfolgreich in Würzburg, Mannheim und Nürnberg, ehe er mit dem Schwedenkönig nach Sachsen zog (Abb. 4). In der Schlacht bei Lützen im November 1632 wurde Gustav Adolf tödlich verwundet. Bernhard, dem man das Schwert des Königs der Überlieferung zufolge überbracht hatte, übernahm den Oberbefehl der schwedischen Truppen, konnte sich behaupten und noch im selben Jahr die Kaiserlichen aus Sachsen vertreiben. 1633 wurde Bernhard mit dem Herzogtum Franken belehnt und befand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Nach mehreren militärischen Niederlagen formierte Bernhard schließlich ein neues Heer – die sogenannten „Weimaraner“, die er vom katholischen Frankreich besolden ließ. Im Dienste Frankreichs, das seinerseits gegen den Habsburger-Kaiser kämpfte, gelangen Bernhard nun wieder militärische Erfolge. Als letzter und größter Sieg ist hier die Eroberung der Festung Breisach im Jahr 1638 zu nennen, die als wichtiges und bis dahin unüberwindliches Bollwerk der Habsburger galt. Bernhard verstarb jedoch kurz darauf am 18. Juli 1639 infolge einer Krankheit.
Sein vorläufig in Breisach beigesetzter Leichnam wurde wenige Jahre nach dem Friedensschluss, im September 1655, nach Weimar überführt. Auf dem Weg machte der Leichenzug in den Residenzen des Hauses und damit auch auf der Wartburg Station, wo der Sarg für einige Tage aufgebahrt und an seine Ruhmestaten erinnert wurde. Bernhard wurde als der erfolgreiche Feldherr aus dem Hause der Ernestiner gerühmt, der wie seine Vorfahren entschlossen für den Protestantismus gekämpft hatte. Die Verehrung ging bald weit über ernestinische Kreis hinaus; Bernhard sollte sich für viele Protestanten zum „deutschen Helden“ entwickeln, der sogar mit Herkules gleichgesetzt wurde (Abb. 5).
Der Überlieferung zufolge sollen sich der Degen Herzog Bernhards und das Schwert Gustav Adolfs bereits seit dem Dreißigjährigen Krieg in Weimar befunden haben. Um 1803/04 ließ Herzog Carl August im Weimarer Schloss sogar ein eigenes Bernhardzimmer einrichten, das mit prachtvoller Gestaltung, Büsten und dem vermeintlichen Prunkharnisch Herzog Bernhards aufwartete und als Memorialraum ganz dem ruhmreichen Vorfahren gewidmet war.
Großherzog Carl Alexander ließ die Waffen des Herzogs und des Schwedenkönigs aus Weimar auf die Burg bringen, um sie in der eben neugestalteten Kapelle präsentieren zu lassen (Abb. 6, 7). Hier übernahmen Degen und Schwert spätestens seit 1863 die Aufgabe, auch auf der Wartburg daran zu erinnern, dass die Vertreter des Hauses Sachsen-Weimar-Eisenach auf eine lange Tradition als „Schutzherren des Protestantismus“ zurückblicken konnten.
Abbildungsunterschriften und -nachweise:
Abb. 1: Schwert Gustavs II. Adolf von Schweden, Heiliges Römisches Reich, 1. Viertel 17. Jahrhundert, Eisen, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KW0079
Abb. 2: Degen Bernhards von Sachsen-Weimar, Clemens Stam, Solingen, Anfang 17. Jahrhundert, Eisen, Ätzung und Tauschierung in Messing, Holz, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KW0061
Abb. 3: Bernhard, Herzog von Sachsen-Weimar, 1634, Kupferstich, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G3823
Abb. 4: Gustav II. Adolf von Schweden, Edvard Perséus, 2. Hälfe 19. Jahrhundert, Öl auf Leinwand, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. M0126
Abb. 5: „Bernhard, der Große und Allererste, Herzog zu Sachsen“, I.C. Claussner sculp., 1645, Kupferstich, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G3822
Abb. 6: Blick in die Kapelle der Wartburg nach Osten, nach 1863, Fotografie, Wartburg-Stiftung, Fotothek
Abb. 7: Degen Bernhards von Sachsen-Weimar und Schwert Gustavs II. Adolf von Schweden an Säule mit Schwerthalter mit der Inschrift „FIDEI ET FORTUDINI“, Fotografie, um 1900, Wartburg-Stiftung, Fotothek