„Luther übersetzt. 500 Jahre Neues Testament auf der Wartburg. Eine Ausstellung von der Macht der Worte“ Sonderausstellung auf der Wartburg


vom 4. Mai bis 6. November 2022 

Martin Luther begann zum Jahreswechsel 1521/22 auf der Wartburg ein Projekt, für das er nur elf Wochen benötigen und mit dem er Weltgeschichte schreiben sollte: die Übertragung des Neuen Testaments ins Deutsche. Dass Luther mit diesem Werk nicht nur einen theologischen, sondern auch einen sprachgeschichtlichen Meilenstein setzte, gehört längst zum kulturellen Gedächtnis. Doch was sagt uns Luthers Übersetzung heute noch, und wie ist sie mit der Welt des 21. Jahrhunderts verknüpft? Stehen Übersetzerinnen und Übersetzer heute vor den gleichen Herausforderungen wie Luther im 16. Jahrhundert? Wie hängt der Buchdruck mit modernen und digitalen Kommunikationswegen zusammen? Wie hat sich Sprache im Lauf der Zeit verändert? Welche Macht haben Worte in Vergangenheit und Gegenwart? Und was hat eigentlich ein Wassereimer mit der Heiligen Schrift zu tun? Diesen und vielen weiteren Fragen widmet sich neue die Sonderausstellung der Wartburg, auf der Luthers Bibelübersetzung vor 500 Jahren ihren Anfang nahm.

 

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Die Wartburg von Westen. Foto: Wartburg-Stiftung
Die Wartburg von Westen. Foto: Wartburg-Stiftung
Erster Burghof der Wartburg nach Norden. Foto: Wartburg-Stiftung
Erster Burghof der Wartburg nach Norden. Foto: Wartburg-Stiftung
Wartburg, sogenannter Luthergang im 1. Obergeschoss der Vogtei. Foto: Wartburg-Stiftung
Wartburg, sogenannter Luthergang im 1. Obergeschoss der Vogtei. Foto: Wartburg-Stiftung
Luther als Evangelist, Holzschnitt von Hans Sebald Beham, 1524. Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G2450
Luther als Evangelist, Holzschnitt von Hans Sebald Beham, 1524. Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G2450
Sogenannte Wartburgbibel, Martin Luther, Wittenberg 1541, Vorsatzblatt mit eigenhändigen Eintragungen Martin Luthers und anderer Wittenberger Reformatoren. Wartburg-Stiftung Eisenach, Bibliothek, Sig. 2212-50. Foto: Wartburg-Stiftung
Sogenannte Wartburgbibel, Martin Luther, Wittenberg 1541, Foto: Wartburg-Stiftung
Nachgemachter Druckstock des Titelblatts der sogenannten Wartburgbibel mit Druckergebnis. Foto: Wartburg-Stiftung
Nachgemachter Druckstock des Titelblatts der sogenannten Wartburgbibel mit Druckergebnis. Foto: Wartburg-Stiftung
Das Newe Testment Deutzsch, sogenanntes Septembertestament, Martin Luther, Wittenberg, 1522, gedruckt bei Melchior Lotter. ThULB Jena, Sig. 2 Theol. XIII, 5
Das Newe Testment Deutzsch, sogenanntes Septembertestament, ThULB Jena, Sig. 2 Theol. XIII, 5
Die Lutherstube auf der Wartburg. Auf dem Tisch befinden sich unterschiedliche Ausgaben und Umsetzungen der Bibel durch die Jahrhunderte bis hin zu Bibelsoftware. Foto: Wartburg-Stiftung
Die Lutherstube auf der Wartburg. Foto: Wartburg-Stiftung

Ausgehend von der weltweit berühmten Lutherstube als authentischem Ort des Geschehens würdigt die Ausstellung Martin Luthers geniale Übersetzungsleistung und zieht zugleich Parallelen zu unserer heutigen Zeit. So schlägt sie etwa den Bogen von Luthers Frage nach der „idealen“ Übersetzerperson, den Hilfsmitteln beim Übersetzen von einst und heute, den politischen und gesellschaftlichen Diskursen, die Bibel-Übersetzungen beeinflussten und beeinflussen, bis hin zum Umgang mit sprachlichen Hürden und mannigfachen Kontroversen um die „richtige“ Übersetzung der Heiligen Schrift. Dabei gibt es vieles zu entdecken: Etwa, dass Luther und sein Wittenberger Bibelkollegium vor vergleichbaren Schwierigkeiten standen wie die Expertinnen und Experten der letzten Lutherbibel-Revision von 2017, dass es bereits vor über 300 Jahren einen gedruckten „Bibelcomic“ gab oder dass – damals genauso wie heute – Deutsch nicht gleich Deutsch ist, sondern über vielerlei regionale und gruppenspezifische Eigenheiten verfügt.

 

In einer „Übersetzerwerkstatt“ können sich die Ausstellungsgäste spielerisch mit verschiedenen Übersetzungen befassen, etwa in Form eines Memorys. Foto: Wartburg-Stiftung
In einer „Übersetzerwerkstatt“ können sich die Ausstellungsgäste spielerisch mit verschiedenen Übersetzungen befassen, etwa in Form eines Memorys. Foto: Wartburg-Stiftung


Im zweiten Teil der Ausstellung können die Gäste in einer „Übersetzerwerkstatt“ selbst aktiv werden und die Macht der Worte ergründen. In interaktiven Stationen testen sie etwa ihr Wissen zu aktueller und historischer Jugendsprache und können regionalen Sprechweisen auf den Grund gehen. Kleine und große Besucherinnen und Besucher schnuppern dabei in die biblischen Sprachen hinein, revidieren Texte und lernen so die Herausforderungen von Sprachen und Übersetzungen kennen.