„Luther im Exil. Wartburgalltag 1521“

„Luther im Exil. Wartburgalltag 1521“ Sonderausstellung auf der Wartburg


vom 4. Mai bis 31. Oktober 2021

Am Abend des 4. Mai 1521 kam gegen 11 Uhr ein Gast auf der Wartburg an, der im Schutz der Dunkelheit in das Kavaliergefängnis der Wartburg gebracht wurde. Kaum einer der Torwächter, Handwerker, Eseltreiber oder anderen Bediensteten wird erfahren haben, dass die Wartburg für die kommenden zehn Monate einen der meistgesuchten Männer des Reiches in ihren Mauern verborgen halten sollte.

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Die Lutherstube, Theodor Rothbart jun., um 1845, Lithografie, getönt, koloriert, 23,8 x 32,8 cm, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G0667
Die Lutherstube, Theodor Rothbart jun., um 1845
Der begehbare Nachbau von Luthers Reisewagen wird im 1. Burghof ausgestellt
Der begehbare Nachbau von Luthers Reisewagen wird im 1. Burghof ausgestellt
Mittelalterlicher Senkgarten mit Heilpflanzen im zweiten Burghof
Mittelalterlicher Senkgarten mit Heilpflanzen im zweiten Burghof
Luther als Junker Jörg, Lucas Cranach d. Ä., 1522 (?), Holzschnitt. Wartburg-Stiftung Eisenach, Inv.-Nr. G1359
Luther als Junker Jörg, Lucas Cranach d. Ä., 1522 (?)
Der Scheinüberfall auf Luther am 4. Mai 1521, um 1590, Kupferstich, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Dauerleihgabe für die Wartburg, Inv.-Nr. DL-G001
Der Scheinüberfall auf Luther am 4. Mai 1521, um 1590, Kupferstich

Das 500. Jubiläum von Martin Luthers Aufenthalt auf der Wartburg wird in den Jahren 2021/2022 mit zwei Sonderausstellungen gewürdigt. Während 2022 Luthers Übersetzung des Neuen Testaments im Fokus stehen wird, lädt die Exposition in diesem Jahr zu einer Reise in Luthers Lebenswirklichkeit und den Alltag auf der Wartburg im Jahr 1521 ein.

Im ersten Teil steht der Reformator selbst im Mittelpunkt, der – auf der Wartburg versteckt und aus seinem bisherigen Leben in Wittenberg herausgerissen – zunächst physisch wie psychisch eine schwierige Zeit durchlebte, die schließlich jedoch in eine energische Schaffensphase mit zahlreichen auf der Wartburg verfassten und bald in Wittenberg gedruckten Schriften mündete. Von unschätzbarem Wert sind die eigenhändigen Briefe aus der Wartburgzeit, aus denen der Mensch Luther lebendig wird. In den Zeilen an seine Korrespondenzpartner gewährt der Reformator tiefe Einblicke in sein Seelenleben, die ihn beschäftigenden theologischen und reformatorischen Themen und schildert offen auch seine gesundheitlichen Probleme. Zugleich bieten sie auch vielfältige andere Anknüpfungspunkte: so etwa Luthers Erlebnisse auf einer Hasenjagd, sein Alias „Junker Jörg“ und seine sehr reale Teufelsangst, die schließlich einen Nachhall in der berühmten Legende vom Tintenfleck fand. Bedeutende Flugschriften und archäologische Funde des 16. Jahrhunderts, historische Grafiken und Gemälde werden den Besucherinnen und Besuchern Luthers ganz persönlichen Wartburgalltag näherbringen.

Einen Vorgeschmack auf diesen Ausstellungsteil bietet unser 360° Rundgang, in dem es wissenswerte Informationen, wertvolle Exponate und Einblicke in Luthers Wohnung auf der Wartburg zu erleben gibt.

Im zweiten Teil der Ausstellung im Außengelände wird das alltägliche Leben auf der Wartburg vor 500 Jahren wieder zum Leben erweckt. Am Beginn steht der Nachbau von Luthers Reisewagen, in dem man sich einen Eindruck vom Reisen im 16. Jahrhundert verschaffen kann. Verschiedene thematische Stationen beantworten wichtige Fragen des Alltags auf einer Höhenburg: Wer hat damals auf der Burg gelebt und gearbeitet? Welche Tiere wurden gehalten? Wie wurde die Burg mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt? Wie wurde sie verwaltet und instandgehalten? Besondere Höhepunkte werden der Gemüse- und der Kräutergarten darstellen, die mit ihren historischen Pflanzen darüber informieren, welches Obst und Gemüse angebaut wurde und welche Kräuter bei Beschwerden und Krankheiten Linderung verschafften. Mit Alltagsgegenständen ausgestattete Ausstellungsbauten zeigen nicht nur, wo sich die Wirtschaftsgebäude wie das Brauhaus und die Back- und Badestube im Burggelände befanden; gemeinsam mit einer rekonstruierten Küche informieren sie über die Lebensgrundlage und Lebensweise der Menschen vor 500 Jahren.

Begleitband

Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Begleitband erschienen.