Tageblatt des Wartburgkommandanten Bernhard von Arnswald vom 21.–24.12.1859

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Tageblatt vom 21.– 24. Dezember 1859 (fälschlicherweise auf 1860 datiert) von Bernhard von Arnswald, Wartburg-Stiftung, Archiv, Hs 1006, fol. 2r
Tageblatt vom 21.– 24. Dezember 1859 (fälschlicherweise auf 1860 datiert) von Bernhard von Arnswald, Wartburg-Stiftung, Archiv, Hs 1006, fol. 2r

Christine Fröhlich, wissenschaftliche Volontärin, stellt ihr Lieblingsobjekt des Monats Dezember 2021 vor:

„Die Tageblätter des Wartburgkommandanten Bernhard von Arnswald laden zu einer Zeitreise in die Vergangenheit ein, indem sie einen faszinierenden Einblick in das Leben auf der Wartburg vor ca. 160 Jahren geben. In dieser Tagebuchaufzeichnung – meinem Lieblingsobjekt des Monats – geht es unter anderem um Weihnachtsgeschenke.“

Galerie

  • Schneesturm umtost den Bergfried, Bernhard von Arnswald, 1863, Aquarell über Graphit, 16,9 x 11,8 cm, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G1652
    Schneesturm umtost den Bergfried, Bernhard von Arnswald, 1863, Aquarell über Graphit, 16,9 x 11,8 cm, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. G1652
  • Schmuckkasten (romanisierend), bemalt von Michael Welter, 1859, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KH0032
    Schmuckkasten (romanisierend), bemalt von Michael Welter, 1859, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KH0032
  • Tageblatt vom 21.– 24. Dezember 1859 (fälschlicherweise auf 1860 datiert) von Bernhard von Arnswald, Wartburg-Stiftung, Archiv, Hs 1006, fol. 2r
    Tageblatt vom 21.– 24. Dezember 1859 (fälschlicherweise auf 1860 datiert) von Bernhard von Arnswald, Wartburg-Stiftung, Archiv, Hs 1006, fol. 2r

Haben Sie schon begonnen, Ihre Weihnachtsgeschenke zu besorgen? Falls Sie auch zu denjenigen gehören, die ihre Präsente wohl erst kurz vor knapp beisammenhaben werden, trösten Sie sich: Sie sind in fürstlicher Gesellschaft. Weihnachten 1859 wollte Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach, der seinerzeit die Wartburg restaurieren und erneuern ließ, kunstvolle „Wartburgarbeiten“ verschenken. Also gab er einen Schrank und ein Kästchen in Auftrag, die vom damals auf der Wartburg tätigen Künstler Michael Welter bemalt werden sollten. Die am Abend des 22. Dezember in Weimar erwarteten Geschenke wurden jedoch nicht pünktlich fertig: Noch am 23. liefen die Arbeiten auf Hochtouren – als das Kästchen vollendet war, war es bereits 8 Uhr abends, wie wir aus den Tageblättern des Wartburgkommandanten Bernhard von Arnswald erfahren.

Die Tageblätter Bernhard von Arnswalds gehören zu den Schätzen des Archivs der Wartburg-Stiftung. Für seinen Dienstherren Carl Alexander bestimmt, berichtete der Kommandant der Burg in ihnen ausführlich vom Lebensalltag wie auch von besonderen Ereignissen, hielt zudem allerhand Privates fest und gab damit einen tiefen Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt. Dieser Tradition folgten auch Bernhard von Arnswalds Nachfolger Hermann von Arnswald und Hans Lucas von Cranach, auch wenn letzterer 1897 die sicher sehr zeitaufwändigen Aufzeichnungen aufgeben durfte und nur noch ein knappes Tagebuch führte, in dem er neben dem Postein- und -ausgang besondere Vorkommnisse und das Wetter festhielt.

Über das Wetter schrieb natürlich auch schon Arnswald in seinen Tageblättern – mal mit malerischen Beschreibungen, mal mit einer Prise Humor, wie in den Vorweihnachtstagen 1859. Damals war es windig, dunstig und feucht, was die Burg nicht gerade zu einem angenehmen Aufenthaltsort machte und Arnswald zu einem Seitenhieb auf seinen Freund, den Wartburgarchitekten Hugo von Ritgen veranlasste: „wir Bewohner fühlten uns alle rheumatisch unwohl [...]. Durch alle Ritze drang die feuchte Luft. Gern hätte man jeden mit einem Architekten verstopfen mögen.“ Über Architekt und Kommandant hat übrigens das Objekt des Monats September 2021 einiges berichtet.

Doch zurück zu den großherzoglichen Weihnachtsgeschenken. Sie waren für Großherzogin Sophie bestimmt. Ob sie ihr gefallen haben, ist zwar nicht bekannt, aber zumindest Arnswald war von dem bemalten Kästchen begeistert. In seinen Tageblättern beschrieb er es als „Meisterstück des wackern Welter“. Anscheinend voller Drang, das Kunstwerk von neugierigen Augen bestaunen zu lassen, nahm Arnswald es am Abend des 23. mit zu einigen Besuchen bei Eisenacher Bekannten, wo dem frisch vollendeten Kästchen die angemessene Bewunderung zuteilwurde.

Während die Gemahlin des Großherzogs das schmuckvolle Kästchen in ihren privaten Räumlichkeiten auf der Wartburg aufbewahrte, können wir es heute im ersten Raum des Museums der Wartburg zu den Öffnungszeiten bestaunen.

Mit dieser Zeitreise in die Weihnachtszeit 1859 sei allen eine schöne, besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest gewünscht.

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