Der sogenannte Dürerschrank in der Kunstsammlung der Wartburg Zweigeschossiger Schrank - „Dürerschrank“, fränkisch (Nürnberg), 1510-1520, Linde, Kirsche und Esche, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KM0013

Heike Breitenstein, Burgvögtin der Wartburg, stellt ihr Lieblingsobjekt des Monats September 2020 vor: „Der sogenannte Dürerschrank im Museum der Wartburg ist mein Lieblingsobjekt des Monats, denn immer wenn ich ihn anschaue, kann ich etwas Neues entdecken. In den Reliefs an den Türen und Randleisten sind zahlreiche Figuren dargestellt, die antike Geschichten erzählen.”


Zweigeschossiger Schrank - „Dürerschrank“, fränkisch (Nürnberg), 1510-1520, Linde, Kirsche und Esche, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KM0013
Zweigeschossiger Schrank - „Dürerschrank“, fränkisch (Nürnberg), 1510-1520, Linde, Kirsche und Esche, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KM0013

Der „Dürerschrank“ gehört zu vielen kostbaren und einzigartigen Kunstwerken, die im Wartburgmuseum ausgestellt sind. Seinen Namen hat das Möbelstück sehr wahrscheinlich schon erhalten, als er 1841 als eins der ersten Objekte für die Kunstsammlung der Wartburg von Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach angeschafft wurde. Der Wartburgkommandant Bernhard von Arnswald hatte ihn in einer Kunsthandlung in Würzburg entdeckt und seinem Dienstherrn geschrieben: „Der Schrank, welchen E.K.H. in Würzburg zu kaufen gedachte und von Albrecht Dürer geschnitzt sein soll, wird nach Aussage Sachverständiger als außerordentliches geschätzt. Möchten E.K.H. daher doch die Wartburg mit diesem schönen Möbel zieren.“ Natürlich ist man schnell darauf gekommen, dass nicht Dürer selbst die Reliefs geschnitzt hat, aber der bis heute unbekannte Bildschnitzer aus Nürnberg hat immerhin sieben Kupferstiche des Meisters als Vorlage für die Bilder an den Türen und Randleisten benutzt. Für weitere vier Reliefs sind Entwürfe für Bronzeplaketten des italienischen Goldschmieds und Bronzegießers Moderno verwendet worden und eine Schnitzerei geht auf Lucas Cranach d. Ä. zurück. Carl Alexander hat den Schrank im 19. Jahrhundert im Speisesaal des Palas aufstellen lassen, wo er von seiner Familie und Gästen beim Speisen betrachtet werden konnte.

Auf den ersten Blick wirkt der Schrank groß und massiv, dennoch ist er eigentlich sehr schnell zu transportieren, denn er besteht aus zwei übereinandergestellten Truhen mit seitlich angebrachten Tragegriffen. Der Sockel, das Zwischenteil mit zwei Schubladen und der obere Abschluss sind mit feingeschnitzten Ranken verziert. Ähnliche Schränke, die heute noch in anderen großen Museen finden sind, haben zur Aufbewahrung von kirchlichen Textilien, Messgeräten und Kirchenbüchern gedient. Diese Sakristeischränke sind allerdings nicht mit figürlichen Schnitzereien verziert. Und wenn man sich die Reliefs am „Dürerschrank“ anschaut, erkennt man sofort, dass eine Nutzung im kirchlichen Bereich wohl ausgeschlossen war. Darstellungen wie die von Apoll und Diana, Mars und Victoria, Satyrn oder Herkules erzählen nicht nur Geschichten aus der antiken Mythologie, sondern zeigen auch sehr offen den nackten menschlichen Körper. Man kann sich vorstellen, dass der Schrank im Haus eines wohlhabenden Menschen der Renaissance mit humanistischer Bildung gestanden hat, der die Darstellungen, die heute gar nicht mehr so ohne weiteres zu entschlüsseln sind, sehr gut verstehen konnte.

Der sogenannte Dürerschrank im Museum der Wartburg ist zu den Öffnungszeiten zu besichtigen.

Relief „Apoll und Diana“ aus dem sog. Dürerschrank, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KM0013
Relief „Apoll und Diana“ aus dem sog. Dürerschrank, Wartburg-Stiftung, Kunstsammlung, Inv.-Nr. KM0013


Übersicht: Objekt des Monats